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Wie man eigentlich richtig italienisch isst

Wie man eigentlich richtig italienisch isst

Ein Kontakt über Foursquare, Chiara Ravenna, ist gebürtige Italienierin und schreibt auf ihrem Blog Rezensionen über Restaurants und hat unter anderem auch humorvoll einige Grundsätzlichkeiten erläutert, die einen in und um einem italienischen Ristorante erwarten. Lesen Sie dies ruhig mal durch, um sich auf Ihren nächsten Italien-Urlaub oder -Geschäftsreise vorzubereiten.

Ein italienisches Mittagessen benötigt 2-3 Stunden

Die kritische Grenze in Italien ist ca. 13.30 Uhr. Bis dahin sollte man wissen, wo man isst, denn ein vernünftiges Mittagessen benötigt nun mal mindestens zwei, eher knapp drei Stunden – und dann wird es einfach zu spät.

Angaben auf Schildern sind in Italien eher vage.

Nun sind Schilder in Italien eine Wissenschaft für sich. Sie zeigen in alle möglichen Richtungen, sagen dir was von 4 km und nach 2 km kommt das nächste Schild, auf dem es zum gleichen Ziel plötzlich noch 6 km sein sollen. Restaurantschilder werden gerne irgendwo aufgestellt, dann aber nicht konsequent bis zum Ziel fortgesetzt und Entfernungsangaben stehen meist eh nicht drauf. {...} Und so traute ich meinen Augen kaum, als nach einem Kilometer bereits tatsächlich das Ziel erreicht war. Zwar, wie sich später herausstellte, nicht das Lokal, auf das das Schild hingewiesen hatte, aber egal. Wir bekamen Essen.

Im Restaurant: der Tisch wird zugewiesen.

Es ist unüblich, sich seinen Platz selber zu suchen. Einfach warten, bis ein Kellner kommt, der euch einen Tisch vorschlägt. Diesen muss man natürlich nicht sofort akzeptieren. Ein kurzes Zögern und dabei den Wunschtisch ins Auge fassen, genügt fast immer.

Italiener essen viel

Ja, aaaber, nicht immer. Nur weil im Reiseführer steht, dass ein vernünftiges Menü aus einer großen Nudelvorspeise gefolgt von einem Hauptgang und davor am besten noch ein paar antipasti besteht, erwartet niemand, dass man mehr isst, als man kann. Es ist absolut üblich, sich z.B. ein Nudelgericht zu zweit als Vorspeise zu teilen. Oder auch das Hauptgericht, oder auch nur aus der Rubrik Vorspeisen etwas auszuwählen. Kein Stress, da meckert niemand.

Das Restaurant ist kein Weinlokal

Du bist Weinkenner und möchtest gerne gute Weine probieren. Ja, mach das. Auf dem Weingut um die Ecke. Im Lokal ignoriere ich die Weinkarte prinzipiell. Man bestellt 1/4 (quarto) oder 1/2 (mezzo). Diese offenen Weine sind vom Weinbauern in der Nähe, ehrlich, gut und entsprechend preisgünstig.

Italiener sind Weinspezialisten, lassen Sie die "italienische Art" einfach mal zu.

Im Fischlokal nimmt man entsprechend Weißwein, hier wird die Frage kommen „frizzante oder fermo“ (leicht mit Kohlensäure versetzt oder still).

Wasser, natürlich

Die Flasche Wasser zum Essen ist obligatorisch, es wird auch nicht lange gefragt, ob man eine möchte, sondern nur, wie man sie haben will – still oder sprudelnd (naturale oder frizzante).

Pizza gibt es abends

Die gute Pizzeria auf dem Land wird nur abends Pizza anbieten, da der Steinofen nicht zweimal am Tag angeschürt wird.

Zur Pizza gehört Bier

Zur Pizza trinkt man in Italien übrigens Bier, Rotwein dazu ist eine Deutsche Erfindung und in Italien absolut unüblich. Bier bekommt man (zu horrenden Preisen) in drei Größen: klein (piccola) 0,2 Liter, mittel (media) 0,4 Liter oder, aber bitte nur, wenn man zu mehreren ist, groß (grande) 1 Liter.

Es gibt keine Beilagen zum Hauptgericht

Anders als in Nordeuropa üblich, gibt es standardmässig keine Beilagen zum Essen. Man kann diese, je nach Laune, separat bestellen, muss das aber nicht. Darin liegt auch das Geheimnis, nicht völlig überfressen aus dem Lokal zu wanken. Fisch und Fleisch alleine, ohne brutale Sättigungsbeilagen, sind viel leichter zu verdauen und machen auch nicht dick.

Es gibt eine feste Speisenabfolge

Klingt blöd, aber die Speisenfolge ist nicht variabel und folgt einer strengen Abfolge. Zuerst Antipasti, kalt oder warm. Dann der erste Gang (il primo), in der Regel diverse Nudelgerichte. Zu Nudeln mit Fleisch oder Gemüse gehört Parmesan, der in der Regel unaufgefordert gebracht wird. Nudelgerichte mit Fisch bitte niemals damit bestreuen. Der zweite Gang (il secondo), der Beilagen zulässt. Geheimtipp ist hier Salat oder Gemüse vom Grill, Pommes kann man schliesslich in den diversen Schnellrestaurantketten essen. Nach dem Hauptgang kommt das Dessert (dolce). Kein Schnaps, kein Kaffee. Kein Dessert MIT Kaffee. Ich habe einen Wirt erlebt, da hatte ich schon den Espresso vor mir, sah am Nachbartisch ein Tiramisu, das ich einfach haben musste. Er brachte es und nahm den Kaffee wieder mit. Nach dem Süßen gibt’s dann endlich Koffein.

Cappuccino nach dem Essen ist eine Beileidigung für den Koch

BITTE, und das meine ich ernst, keinen Cappuccino bestellen. Jedem Italiener dreht sich beim Gedanken daran der Magen um. Und zudem gilt es als grobe Beleidigung für den Wirt. Der Cappuccino ist ein Frühstückskaffee. Er macht satt. Ihn nach dem Essen zu ordern, signalisiert dem Koch, sein Essen war entweder zu wenig oder zu schlecht. Man bestellt einen caffè (=espresso). Danach kommt dann zur Belohnung und zur Abrundung ein kleiner Grappa oder Limoncello.

Gesittet, aber nicht streng

Wichtig, die Reihenfolge ist einzuhalten, einen oder mehrere Gänge wegzulassen aber üblich.

Es gibt keine Speisekarte

Richtig gute Lokale haben gar keine. Weil sich der Koch nicht festlegen lässt, was ihm morgens auf dem Markt gefallen wird. Gibt es eine Karte, hat sie informativen Charakter.

Bezahlt wird an der Kasse

In den meisten Lokalen geht man mit der Rechnung an die Kasse und zahlt dort, ganz selten direkt am Tisch.

Es gibt kein Trinkgeld

Die Rechnung beläuft sich auf 56 € und ihr sagt, wie in Deutschland gewohnt „mach 60“, ihr werdet dennoch Wechselgeld auf 56 zurück bekommen. Warum? Ganz einfach. Trinkgeld ist völlig unüblich. Auch wenn das immer wieder pauschal im Reiseführer steht.

Draußen Rauchen

Rauchen ist in Italien überall verboten, es gibt auch keine Raucherlokale. Aber jeder Wirt hat irgendwo draußen eine gemütliche Lounge dafür bereitgestellt.

Den ganzen Artikel von LadyItaly finden Sie hier: http://ladyitaly.com/2012/09/06/im-restaurant/